Was ist Apertus?
Während die grossen KI-Modelle aus den USA und China kommen, hat die Schweiz ihr eigenes gebaut — offen, transparent und mehrsprachig. Was Apertus ist und warum es für KMU mehr als ein Symbol ist.
Apertus ist das offene Schweizer Sprachmodell, am 2. September 2025 von ETH Zürich, EPFL und dem Supercomputing-Zentrum CSCS unter der freien Apache-2.0-Lizenz veröffentlicht. Es ist vollständig offen: Architektur, Gewichte, Trainingsdaten und Methoden liegen offen. Trainiert auf 15 Billionen Tokens aus über 1'000 Sprachen — inklusive Schweizerdeutsch und Rätoromanisch. Für Schweizer KMU ist es weniger Werkzeug als Beweis: dass leistungsfähige KI auch transparent, mehrsprachig und unter Schweizer Kontrolle entstehen kann.
Was Apertus genau ist
Apertus ist das offene Sprachmodell der Schweiz. Am 2. September 2025 haben die ETH Zürich, die EPFL und das nationale Supercomputing-Zentrum CSCS es gemeinsam veröffentlicht — unter der freien Apache-2.0-Lizenz, die auch die kommerzielle Nutzung erlaubt (ETH Zürich, 02.09.2025). Der Name kommt aus dem Lateinischen und heisst «offen» — und das ist das ganze Programm.
Denn Apertus ist nicht nur «verfügbar», sondern vollständig offen. Bei den meisten Modellen, die sich «open» nennen, kann man am Ende nur die fertigen Gewichte herunterladen — wie ein Auto, das man fahren, aber nicht aufmachen darf. Bei Apertus liegen Architektur, Gewichte, Trainingsdaten und Methoden offen. Man sieht, womit es gelernt hat und wie es gebaut ist.
Apertus ist nicht nur kostenlos nutzbar — es ist nachprüfbar. Und das ist im Kontext von KI-Vertrauen ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Die Eckdaten in Kürze
| Apertus | |
|---|---|
| Veröffentlicht | 2. September 2025 |
| Entwickelt von | ETH Zürich, EPFL, CSCS |
| Lizenz | Apache 2.0 (frei, auch kommerziell) |
| Offenheit | Architektur, Gewichte, Trainingsdaten, Methoden |
| Trainingsdaten | 15 Billionen Tokens, über 1'000 Sprachen |
| Sprachen | rund 40% nicht-englisch, inkl. Schweizerdeutsch & Rätoromanisch |
| Grössen | 8 Mrd. und 70 Mrd. Parameter |
| Verfügbar über | u.a. Swisscom, Hugging Face |
Quellen: ETH-Zürich-Pressemitteilung (02.09.2025), Apertus-70B auf Hugging Face.
Warum die Mehrsprachigkeit für die Schweiz besonders zählt
Apertus wurde auf 15 Billionen Tokens aus über 1’000 Sprachen trainiert, rund 40% davon nicht-englisch. Das ist eine bewusste Abkehr vom englisch-dominierten Mainstream. Für ein viersprachiges Land ist das mehr als ein Detail: Im Trainingsmaterial sind ausdrücklich auch Schweizerdeutsch und Rätoromanisch vertreten (ETH Zürich, 02.09.2025).
Was heisst das im Alltag? Modelle, die kaum Schweizer Sprachdaten gesehen haben, stolpern oft über genau das, was hier normal ist — Dialekt in einer Sprachnotiz, eine Mischung aus Hochdeutsch und Mundart, eine rätoromanische Ortschaft. Ein Modell, das diese Sprachwelt im Training hatte, hat hier einen natürlichen Vorteil.
Das macht Apertus nicht automatisch zum besten Modell für jede Aufgabe — die grossen kommerziellen Modelle bleiben bei vielen Aufgaben leistungsfähiger. Aber es zeigt eine Richtung: KI, die zur Schweizer Realität passt, statt sie nur zu approximieren.
Was «Datensouveränität» hier konkret bedeutet
Der zweite Grund, warum Apertus über die Wissenschaft hinaus interessant ist, heisst Datensouveränität — die Kontrolle darüber, wo deine Daten liegen und wer sie sieht. Bei einem offenen Modell ist diese Kontrolle technisch möglich, weil drei Dinge zusammenkommen:
- Frei betreibbar — Apertus lässt sich unter Apache-2.0 frei einsetzen, auch in einer eigenen oder Schweizer Umgebung, statt zwingend über einen ausländischen Cloud-Dienst.
- Nachprüfbar — weil Trainingsdaten und Methoden offenliegen, ist nachvollziehbar, womit das Modell entstanden ist. Das ist die Grundlage für Audits und für Vertrauen.
- Schweizer Herkunft — entwickelt von öffentlichen Schweizer Institutionen, nicht von einem gewinnorientierten Konzern im Ausland.
Für ein KMU heisst das nicht, dass man Apertus selbst betreiben muss. Es heisst, dass es die Option gibt — und dass die Schweiz die Kompetenz hat, eigene, transparente KI zu bauen. Wie das mit dem Datenschutzgesetz zusammenspielt, vertieft die Seite zu KI mit Schweizer Hosting.
Apertus ist ein LLM — was das bedeutet
Apertus gehört zur Familie der grossen Sprachmodelle (LLM) — derselben Technik, auf der auch ChatGPT, Claude oder Gemini beruhen. Vereinfacht: ein System, das aus enorm viel Text gelernt hat, wie Sprache funktioniert, und daraus sinnvolle Antworten und Texte erzeugt. Die Parameter — bei Apertus 8 oder 70 Milliarden — sind dabei grob ein Mass für die Grösse und das Fassungsvermögen des Modells.
Was Apertus von den bekannten Namen unterscheidet, ist nicht die Grundtechnik, sondern die Offenheit und Herkunft. Wer verstehen will, wie ein solches Modell überhaupt arbeitet, findet die Grundlagen unter Was ist ein LLM?.
Wie FrontierX mit Modellen wie Apertus umgeht
Hier ist die ehrliche Einordnung: FrontierX setzt nicht «immer Apertus» ein — und auch nicht «immer» ein bestimmtes anderes Modell. Wir wählen pro Aufgabe das Modell, das den jeweiligen Vorgang am zuverlässigsten erledigt. Oft ist das ein grosses kommerzielles Modell, weil es bei der konkreten Aufgabe schlicht am besten abschneidet.
Wo aber Datensouveränität, Schweizerdeutsch oder volle Kontrolle im Vordergrund stehen, kann ein offenes Schweizer Modell wie Apertus die passendere Wahl sein. Diese Flexibilität ist der Punkt: nicht an einen Anbieter gekettet, sondern frei, das Richtige für deinen Ablauf zu nehmen. Ob ein Modell in der eigenen Umgebung oder in der Cloud läuft, ist eine separate Frage — sie wird unter On-Premise vs. Cloud-KI erklärt.
Was du dir merken solltest
Apertus ist kein Produkt, das man «kauft» — es ist ein offenes Fundament. Drei Dinge bleiben hängen:
- Es beweist Schweizer KI-Kompetenz. Leistungsfähige Sprachmodelle entstehen nicht nur im Silicon Valley, sondern auch an ETH, EPFL und CSCS.
- Offenheit schafft Vertrauen. Offengelegte Trainingsdaten und Methoden machen prüfbar, was sonst Blackbox bleibt — wichtig überall dort, wo Nachvollziehbarkeit zählt.
- Es erweitert die Wahl. Für KMU bedeutet die Schweizer KI-Landschaft mehr Optionen — und bei Bedarf einen Weg zu mehr Datensouveränität.
Welches Modell für deinen konkreten Vorgang das richtige ist, lässt sich nicht am Namen festmachen, sondern an der Aufgabe. Genau das klären wir in einer kurzen, unverbindlichen Auslegeordnung — ehrlich und ohne Verkaufsdruck.
Fragen, die zu diesem Thema gestellt werden.
Was bedeutet «vollständig offen» bei Apertus?
Bei vielen «offenen» Modellen sind nur die fertigen Gewichte frei nutzbar, das Training selbst bleibt eine Blackbox. Apertus geht weiter: Neben den Gewichten sind auch die Architektur, die Trainingsdaten und die verwendeten Methoden offengelegt. Das heisst, jeder kann nachvollziehen, womit das Modell trainiert wurde und wie es funktioniert — die Grundlage für echte Prüfbarkeit und Vertrauen.
Kann mein KMU Apertus direkt einsetzen?
Grundsätzlich ja — Apertus ist über Anbieter wie Swisscom und die Plattform Hugging Face verfügbar und unter Apache-2.0 frei nutzbar, auch kommerziell. In der Praxis braucht es aber wie bei jedem Modell eine Umgebung, in der es sicher läuft, und eine Einbindung in deine Abläufe. Für die meisten KMU zählt nicht, welches Modell im Hintergrund arbeitet, sondern dass der Vorgang zuverlässig erledigt wird.
Ist Apertus besser als ChatGPT oder andere grosse Modelle?
Nicht pauschal. Die grossen kommerziellen Modelle sind bei vielen Aufgaben weiterhin leistungsfähiger. Apertus' Stärke liegt woanders: in der vollständigen Transparenz, der breiten Mehrsprachigkeit inklusive Schweizerdeutsch und der Möglichkeit, es vollständig unter eigener Kontrolle zu betreiben. Es ist eine Frage der Anforderung, nicht des Rankings — Transparenz und Datensouveränität gegen reine Spitzenleistung.
Setzt FrontierX standardmässig Apertus ein?
Nein. FrontierX setzt für jede Aufgabe das Modell ein, das den Vorgang am zuverlässigsten erledigt — das kann ein grosses kommerzielles Modell sein. Wo Datensouveränität, Schweizerdeutsch oder volle Kontrolle im Vordergrund stehen, kommen auch offene Schweizer Modelle wie Apertus in Frage. Entscheidend ist das Ergebnis für deinen Ablauf, nicht die Marke des Modells.
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