Wissen / Förderung

Gibt es KI-Förderung für KMU?

«Gibt es nicht Geld vom Staat für KI?» ist eine der häufigsten Fragen — und sie verdient eine ehrliche Antwort statt Wunschdenken. Die kurze Version: einen Topf mit der Aufschrift «KI» gibt es nicht, eine reale Förderlandschaft für innovative Projekte aber sehr wohl. Wir ordnen nüchtern ein, was stimmt und was nicht.

Aktualisiert: FrontierX · Stand der Technik
Kurz gesagt

Nein — einen eigenen «KI-Fördertopf» gibt es in der Schweiz nicht. Es gibt aber etwas Besseres: KI-Vorhaben sind über die allgemeine Innovationsförderung des Bundes förderfähig, allen voran über Innosuisse. Der Innovationsscheck (bis CHF 15'000) finanziert eine Vorstudie mit einem Forschungspartner; grössere Innovationsprojekte werden gemeinsam mit einer Hochschule gefördert. Entscheidend ist der Haken: Gefördert wird echte Innovation — etwas nachweislich Neues —, nicht das blosse Einführen von Standard-Tools. «Wir nutzen jetzt ChatGPT» ist nicht förderfähig. Ein KI-Projekt mit echtem Forschungsanteil dagegen schon.

CHF 15'000
finanziert der Innovationsscheck von Innosuisse — 100 % der Kosten des Forschungspartners für eine Vorstudie zu einer neuartigen Lösung.
Innosuisse, innosuisse.admin.ch
40–60 %
der gesamten Projektkosten trägt das KMU bei einem Innovationsprojekt mit Forschungspartner selbst — als Eigenleistung.
Innosuisse, innosuisse.admin.ch
4–6 Wochen
dauert die Evaluation eines Innovationsschecks — vergleichsweise schnell für eine staatliche Förderung.
Innosuisse, innosuisse.admin.ch

Gibt es einen «KI-Fördertopf»? Die ehrliche Antwort

Wer nach «KI-Förderung Schweiz» sucht, stellt sich oft einen Topf vor, auf dem «Künstliche Intelligenz» steht und aus dem ein KMU Geld für die Einführung von KI beantragt. Diesen Topf gibt es nicht — weder beim Bund noch bei einer zentralen Stelle. Das ist keine schlechte Nachricht, sondern eine Frage der Logik: Der Staat fördert nicht eine Technologie, sondern Innovation. KI ist dabei nur das Mittel, nicht der Zweck.

Was es gibt, ist eine etablierte Förderlandschaft für innovative Projekte — und in dieser ist KI längst ein anerkanntes Themenfeld. Die zentrale Stelle dafür ist Innosuisse, die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung des Bundes. Hat dein KI-Vorhaben einen echten Innovationsanteil, kann es förderfähig sein. Willst du nur ein fertiges Tool einführen, nicht. Den Unterschied erklären wir weiter unten — er ist der ganze Knackpunkt.

Innosuisse: die zentrale Anlaufstelle

Innosuisse ist die Agentur des Bundes, die wissenschaftsbasierte Innovation in der Schweiz fördert. Sie vergibt kein Geld für den Kauf von Software, sondern unterstützt Projekte, in denen Unternehmen gemeinsam mit einer Schweizer Forschungseinrichtung — einer ETH, Universität oder Fachhochschule — etwas Neues entwickeln. Für KI-Vorhaben sind vor allem zwei Instrumente relevant.

Der Innovationsscheck ist der niederschwellige Einstieg. Er ist mit bis zu CHF 15’000 dotiert und finanziert 100 % der Kosten des Forschungspartners für eine Vorstudie: eine Konzeptentwicklung, eine Machbarkeitsabklärung oder eine Analyse des Innovations- und Marktpotenzials einer neuartigen Lösung (Innosuisse, Innovationsscheck). Bewerben können sich KMU, Start-ups und andere Organisationen mit weniger als 250 Vollzeitäquivalenten. Die Evaluation dauert in der Regel nur vier bis sechs Wochen — schnell für eine staatliche Förderung. Voraussetzung: Du hast bereits einen Schweizer Forschungspartner und in den letzten zwei Jahren keinen Scheck für eine Vorstudie bezogen.

Das Innovationsprojekt mit Forschungspartner ist der grössere Hebel. Hier entwickeln ein KMU als Umsetzungspartner und eine Schweizer Forschungseinrichtung gemeinsam in einem Konsortium eine neuartige Lösung. Innosuisse trägt die Kosten des Forschungspartners; das KMU bringt 40–60 % der gesamten Projektkosten als Eigenleistung ein — überwiegend als eigene Arbeitszeit, dazu ein minimaler Cash-Beitrag an den Forschungspartner (Innosuisse, Innovationsprojekte). Wichtig für dich: Künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Automatisierung und Data Science stehen ausdrücklich im Themenspektrum. KI ist also kein Sonderfall, sondern ein anerkanntes Innovationsfeld.

Als grober Richtwert kursiert, dass an rund vier von fünf Innosuisse-Projekten KMU beteiligt sind (Sekundärquellen wie das Hightech Zentrum Aargau) — keine offizielle Innosuisse-Statistik, aber ein klares Signal, dass diese Förderung nicht nur etwas für Grosskonzerne ist.

Die wichtigsten Instrumente im Vergleich

Welcher Weg passt, hängt davon ab, wie weit deine Idee ist und ob ein Forschungspartner an Bord ist. Die drei realistischen Optionen im Überblick:

InstrumentWas es fördertHöhe / EigenleistungPasst, wenn …
InnovationsscheckVorstudie: Konzept, Machbarkeit, Innovations- und Marktpotenzialbis CHF 15'000 — 100 % der Forschungspartner-Kosten… du zuerst prüfen willst, ob deine KI-Idee trägt
Innovationsprojekt mit ForschungspartnerEntwicklung einer neuartigen Lösung im Konsortium mit einer HochschuleInnosuisse trägt die Forschungspartner-Kosten; KMU 40–60 % Eigenleistung… du gemeinsam mit Forschung etwas nachweislich Neues entwickelst
Kantonale FörderungDigitalisierungs- und Innovationsprogramme, je nach Kanton unterschiedlichvariiert stark je nach Kanton… du lokale oder regionale Programme ausschöpfen willst

Anträge für den Innovationsscheck und für Innovationsprojekte sind laufend einreichbar; bis zum Förderentscheid vergehen je nach Instrument und Sitzungszyklus einige Wochen bis wenige Monate. Verbindlich sind immer die aktuellen Angaben auf innosuisse.admin.ch — die Bedingungen werden periodisch angepasst.

Der entscheidende Haken: Gefördert wird Innovation, nicht Einführung

Hier liegt der Punkt, den die meisten Ratgeber verschweigen. Förderung zielt auf Forschung, Neuheit und Innovation — nicht auf das blosse Einführen von Standard-Software. Konkret:

  • Nicht förderfähig: «Wir führen ChatGPT ein», «Wir abonnieren ein fertiges KI-Tool», «Wir lassen unsere Rechnungen mit einer bestehenden Lösung automatisieren». Das ist sinnvolle Digitalisierung — aber keine Innovation im Sinne der Förderung, weil nichts Neues entwickelt wird.
  • Förderfähig: Ein Projekt, das gemeinsam mit einem Forschungspartner etwas nachweislich Neues schafft — eine neue Methode, ein neues Verfahren, ein neues Produkt. Etwa ein KI-Modell für eine bisher ungelöste Aufgabe in deiner Branche, für die es noch keine fertige Lösung am Markt gibt.

Die ehrliche Konsequenz: Für die meisten alltäglichen KI-Projekte in einem KMU — ein Agent, der Belege erfasst oder E-Mails vorsortiert — gibt es keine Förderung, weil sie auf bewährter Technik aufbauen. Und das ist in Ordnung: Diese Projekte rechnen sich ohnehin über die eingesparte Zeit, wie der ehrlich kalkulierte Überblick unter Was kostet KI-Automatisierung? zeigt. Förderung lohnt sich dort, wo echtes Neuland betreten wird — und dafür braucht es fast immer einen Forschungspartner.

Kantonale Förderung und weitere Wege

Neben dem Bund bieten einzelne Kantone zusätzliche Programme zur Digitalisierungs- und Innovationsförderung an — von Beratungsgutscheinen über regionale Innovationszentren bis zur Standortförderung. Das Angebot variiert stark je nach Kanton und ändert sich laufend; seriöse Beträge oder Programmnamen lassen sich nicht pauschal nennen. Wer hier sucht, fragt am besten direkt bei der kantonalen Wirtschaftsförderung oder einem regionalen Innovationsnetzwerk nach. Auch Hochschulen und Fachhochschulen selbst sind ein guter erster Kontakt — sie kennen die passenden Förderwege und sind oft gleich der nötige Forschungspartner.

Was das für dein KI-Vorhaben heisst

Drei nüchterne Fragen helfen dir einzuordnen, ob Förderung für dich überhaupt ein Thema ist:

  1. Entwickelst du etwas Neues — oder führst du etwas Bestehendes ein? Nur Ersteres ist förderfähig.
  2. Hast du einen Forschungspartner — oder kannst du einen gewinnen? Ohne Hochschule, ETH oder Fachhochschule im Boot funktionieren die Innosuisse-Instrumente nicht.
  3. Trägt deine Idee ein echtes Innovations- und Marktpotenzial? Genau das prüft eine Vorstudie via Innovationsscheck — der risikoärmste erste Schritt.

Fällt die Antwort auf alle drei Fragen positiv aus, lohnt sich der Gang zu Innosuisse. Fällt sie negativ aus, ist das kein Rückschlag: Dann ist dein Projekt einfach ein klassisches Automatisierungsvorhaben, das du ohne Förderung — und ohne den damit verbundenen Aufwand — direkt umsetzen kannst.

Wo FrontierX steht

Eines vorweg, damit keine falsche Erwartung entsteht: FrontierX ist kein Förderberater. Wir reichen keine Anträge ein und versprechen keine Fördergelder. Was wir tun, ist das, was diese Seite zeigt: die Landschaft ehrlich einordnen, damit du keine Zeit mit einem Antrag verlierst, der ohnehin nicht passt — und umgekehrt die Chance nicht übersiehst, wenn dein Vorhaben tatsächlich innovativ genug ist.

In einer kurzen Auslegeordnung trennen wir sauber: Was an deinem KI-Vorhaben ist Einführung bewährter Technik (sofort umsetzbar, rechnet sich über die Zeit) und was ist echte Innovation (möglicherweise förderfähig, dann mit Forschungspartner und Innosuisse). Wie ein pragmatischer Einstieg ganz ohne Förderung aussieht, steht unter KI-Automatisierung starten. Ob sich KI für ein kleines KMU überhaupt rechnet, klärt Lohnt sich KI für ein kleines KMU?.

Fazit

Einen dedizierten «KI-Fördertopf» gibt es in der Schweiz nicht — wohl aber eine reale Förderlandschaft, in der KI ein anerkanntes Innovationsfeld ist. Über Innosuisse sind KI-Projekte förderfähig, sofern sie gemeinsam mit einem Forschungspartner etwas Neues entwickeln. Für die reine Einführung von Standard-Tools gibt es kein Geld vom Staat — diese Projekte tragen sich aber ohnehin selbst. Die ehrliche Faustregel: Förderung ist etwas für Neuland, nicht für den nächsten Schritt im Alltag. Prüfe, in welche Kategorie dein Vorhaben fällt — und entscheide auf dieser Basis.

Häufige Fragen

Fragen, die zu diesem Thema gestellt werden.

Gibt es in der Schweiz einen staatlichen Fördertopf nur für KI?

Nein. Es gibt keine Förderung, die speziell für die Einführung von KI gedacht ist. Der Staat fördert Innovation, nicht eine einzelne Technologie. KI-Vorhaben können aber über die allgemeine Innovationsförderung — allen voran über Innosuisse — unterstützt werden, sofern sie einen echten Innovationsanteil haben und mit einem Forschungspartner umgesetzt werden.

Ist die Einführung von KI-Tools wie ChatGPT förderfähig?

Nein. Wer ein fertiges Tool abonniert oder eine bestehende Lösung einführt, betreibt sinnvolle Digitalisierung — aber keine Innovation im Sinne der Förderung, weil nichts Neues entwickelt wird. Solche Projekte rechnen sich ohnehin über die eingesparte Arbeitszeit und brauchen keine Förderung. Geld vom Staat gibt es nur, wenn gemeinsam mit der Forschung etwas nachweislich Neues entsteht.

Wer gilt für Innosuisse als KMU?

Für den Innovationsscheck können sich KMU, Start-ups und andere Organisationen mit weniger als 250 Vollzeitäquivalenten bewerben. Damit fällt der allergrösste Teil der Schweizer Unternehmen in den förderfähigen Bereich — die Unternehmensgrösse ist also selten das Hindernis. Entscheidender ist, ob das Vorhaben wirklich innovativ ist und ein Forschungspartner an Bord ist.

Was ist der Innovationsscheck und wofür eignet er sich?

Der Innovationsscheck von Innosuisse ist mit bis zu CHF 15'000 dotiert und finanziert 100 % der Kosten des Forschungspartners für eine Vorstudie — also für eine Konzeptentwicklung, eine Machbarkeitsabklärung oder eine Analyse des Innovations- und Marktpotenzials. Er ist der risikoärmste erste Schritt: Bevor du in ein grosses Projekt investierst, klärst du günstig ab, ob deine KI-Idee überhaupt trägt. Die Evaluation dauert in der Regel nur vier bis sechs Wochen.

Brauche ich für eine KI-Förderung zwingend einen Forschungspartner?

Für die Instrumente von Innosuisse ja — das ist ihr Kern: Gefördert wird wissenschaftsbasierte Innovation, die ein Unternehmen gemeinsam mit einer Schweizer Hochschule, ETH oder Fachhochschule entwickelt. Ohne diesen Partner gibt es keinen Zugang zu diesen Fördermitteln. Die gute Nachricht: Die Forschungseinrichtung selbst ist oft der beste erste Kontakt, weil sie die Förderwege kennt und den Antrag mitgestaltet.

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